5. Rundmail

Hallo zusammen! Langsam wird es Zeit euch mal wieder ein bisschen was zu schreiben, ich hoffe es wird diesmal ein bisschen weniger. Ich würd euch gern ein bisschen was von meiner Arbeit im Waisenhaus erzählen, da mich schon einige danach gefragt haben und meine Gedanken immer um die Kinder dort kreisen. Es ist eigentlich mehr eine Station. Es gibt drei Zimmer, vollstellt mit Bettstadl , dann noch einen Essensraum für die grösseren und eine Küche. Die 20-25 Kinder sind in drei Gruppen, sem Alter nach aufgeteilt. Ich helfe vor allem bei den Kleinen. Wir habe letzte Woche ein Mädchen bekommen, das gerade mal eine Woche alt war. Sie ist noch fast weiss, was sich aber in den nächsten Wochen noch ändern wird. Wenn ich am nachmittag ankomme, wachen die Kinder gerade aus dem Mittagsschlaf auf. Sie werden gewaschen und gewickelt und bekommen dann das Fläschchen. Wobei die babys, die schon ein bisschen die Flasche halten können, selber essen müssen. Die Windeln sind noch normale Tücher und mit zwei kann man ohne Probleme wickeln, dass sie manchmal nicht wirklich dicht sind, ist nicht weiter schlimm. Ich helfe fleissig mit und wenn alle Kinder fertig sind, gehen wir mit ihnen auf die Terasse vor dem Haus. Dort bekommen sie dann Spielsachen (naja viele sind es nicht) oder liegen einfach nur auf Bastteppichen. Dann bin ich gefragt. Ich bin ein willkommenes Spielzeug für die grossen oder ein Tröster für die kleineren. Es arbeiten hier auch noch andere Frauen, die ihre Arbeit aber hauptsächlich darin sehen, dass sie den Kindern was zu essen geben und schaun, dass sie sauber sind und nichts anstellen. Wenn eines weint, wird bloss gesagt, es soll leise sein. Da ich das nicht gewohnt bin, sondern ich aus eigener Erfahrung weiss, wie gut es tut in den Arm genommen zu werden, versuch ich immer noch die kleinen Probleme so zu lösen. Nach einem Nachmittag draussen, gibt es wieder etwas zu essen, die grösseren dürfen selber essen, Maisbrei etc. und dann wird nochmal gewickelt und ab ins Bett. Damit ist mein Tag dann auch beendet. Bzw. dann bin ich auch richtig fertig. Da ich aber immer nicht genug bekommen kann, werde ich in ein paar Wochen, das erste Mal in eine Schule zum Deutschunterricht mitgehen. Ich soll ein bisschen was über Deutschland, das Schulsystem und das Leben in meiner Heimat erzählen. Da die Schule aber grad erst angefangen hat, will die Lehrerin zuerst mal ihren Unterricht machen, bevor ich dann dazu komme. Aber wenn es klappt, soll ich öfters kommen. Während ich also, so vor mich hinarbeite und mir viele Gedanken mache, wie ich hier möglichst viel helfen kann, auch finanziell, hab ich den Schock und gleichzeitig die Überraschung meines Lebens erlebt. Mein Vater schreibt mir so nebenbei, dass er mich Anfang November, also in knappen zwei Wochen hier in Burkina Faso besuchen wird. Und das obwohl er immer dagegen war, dass ich ausgerechnet nach Afrika gehe. Er hat Französisch gelernt und seinen Urlaub geplant, aber niemand von uns Bescheid gesagt. Tja, mich hats fast vom Stuhl gehaun, als ich das gelesen habe, aber ich freu mich natürlich total. Während mein Vater also zwei Wochen in Kaya verbringen wird, ist genau zu dieser Zeit Bischof Kabore in Deutschland unterwegs, wie er mir mitgeteilt hat. Er wird auch Vilsbiburg besuchen. Ich hoffe, dass es ihm in unserer Pfarrei gefällt und dass er mal einen “normal” langen Gottesdienst erleben darf… Hier in Burkina Faso wird seit dem 15. Oktober total viel gefeiert, wobei ich der Meinung bin, ebenso wie viele Burkinbé, dass es eigentlich kein Grund zum Feiern ist. Vor zwanzig Jahren wurde der Präsident Thomas Ankara ermordet und Blaise Kampaore hat sich zum Präsidenten von Burkina gemacht. Er soll am Mord seines Vorgängers nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Nun feiert er sich und seine “Demokratie”. Seine ganze Familie sitzt in den wichtigsten Ämtern und die Korruption soll auch sehr stark verbreitet sein. Da e seine hohe Analphabetenrate gibt und die Leute dazu noch sehr arm sind, kann sich derjenige, der das meiste Geld hat, Blaise Kampaore, die meisten Stimmen kaufen. Das tut er mit Reis, Salz oder einem knappen Euro. Die Demokratie, deren 20 Geburtstag hier hoch gefeiert wird, ist keine echte und das Geld, das für die vielen Feste ausgegeben wird, ware bei den Menschen hier viel besser angelegt. Zudem laufen bei diesen Festen viele Militärs rum, das erinnernt mich immer sehr negative an Chile und meine Facharbeit. Noch kurz eine faszinierende Eigenschaft in Burkina. Die Kirchen hier und die Religion leben hier nebeneinander ohne Probleme. Die Moschee ist um die Ecke von der Bibliothek der Diozöse. Moslems wohnen nehmen der protestantischen Kirche und da diese im Osten von ihnen ist, beten sie auch in ihre Richtung. Morgens um 6 Uhr ruft der Imam zum Gebet, während gleichzeitig die Glocken der Cathedrale läuten. Mir gefällt das, bin ich doch eher auch offen für andere Religionen und meine nicht, dass sich Religionen oder Religionsgemeinschaften gegenseitig ausschliessen. So soweit zu meiner jetztigen Arbeit und meinem Leben hier. Nachdem Kathi in der letzten Woche abgereist ist, und die andere Canadierin Sabrina noch eine knappe Woche bleibt, reduziert sich die Anzahl der Weissen hier ein bisschen. Wir haben aber auch Zuwachs bekommen. Kim, aus den USA, die mit dem Friedenscorps bereits zwei Jahre in einem burkinesischem Dorf verbracht hat und nun noch ein Jahr hier in Kaya bleibt. In einer Woche kommen Lisas Eltern zu Besuch und dann auch mein Papa. Da wird unser Haus dann mal richtig voll, oh ich glaub wir müssen noch ein bisschen Geschirr kaufen, mit drei Gläsern kommen wir da nicht weit. Also es gibt immer was zu tun, langweilig wird es hier nicht. Auch wenn es mal wieder eine längere Diskussion mit den Postbeamten ist, warum wohl ausgerechnet die Briefe an mich nicht ankommen. Meine Internetpräsenz vom 3. November bis zum 17. wird nicht so ausgeprägt sein, also wundert euch nicht, wenn ich nicht gleich antworte, aber vielleicht fahre ich mit meinem Vater ein bisschen durch Burkina Faso. Macht es gut Schöne Herbstferien, für alle die noch Ferien haben Ganz liebe Grüsse aus Kaya Eure Moni  P.S. : An Paty, Tom und Michi : Alles Gute zum Geburtstag ! 

23.10.07 15:07

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