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hab ein Radl

man mag es kaum glauben, aber nachdem ich 7 Wochen hier bin, hab ich tatsächlich mein Radl bekommen, um das ich schon in den ersten Tagen gebeten habe. Als Weisse schickt es sich zwar nicht, aber ich hab mich gegen die Herren der Diozöse durchgesetzt und hab nach langen Diskussionen den Kampf gegen ein Moped gewonnen. Nun hab ich zwar den Spitznamen "der kleine Rebell" weg, aber das war ich wohl schon immer :-)

2.11.07 13:59, kommentieren

Papa gut angekommen

Hallo zusammen!

Mein Papa ist gut angekommen und es gefällt ihm sehr gut hier, sagt er zumindest. Er darf auch einen Tag ins Krankenhaus reinschnuppern und ansonsten machen wir ein bisschen Urlaub in Kaya und nächste Woche fahren wir vielleicht noch ein bisschen weg. Leider kann ich ihm immer noch nicht klarmachen, dass es unwahrscheinlich ist, dass ausgerechnet er in den zwei Wochen wo er hier ist Malaria bekommt, aber vielleicht kapiert er das auch noch.

Ansonsten gehts uns gut und ich geniess die Zeit mit ihm.

Danke an alle, die Briefe etc. für mich mitgegeben haben, vor allem an Mama, die mir die leckersten Sachen mitgeschickt hat, sodass ich sicher nicht vom Fleisch falle.

Liebe Grüsse

Eure Moni

6.11.07 15:16, kommentieren

Rundmail 6 (liegt schon eine Woche im Postausgang rum....Internet ging nicht

Hallo zusammen! Ich lebe noch, wie ihr seht, bzw. lesen könnt, auch wenn ich mich lange nicht gemeldet habe. Dafür hab ich jetzt viel zu erzählen, denn in den letzten Wochen ist viel passiert. Neben dem Wunder, dass mein Vater mich besucht hat, ist noch eines passiert. Diesmal in der katholischen Kirche von Kaya. Sie haben nachgegeben. Nach zwei Monaten hab ich es geschafft und mein Radl in Händen gehalten. Auch wenn keiner in der Diozöse verstehen konnte, warum ich das Moped ausschlage und unbedingt ein Radl gestellt haben will. Jetzt hab ich den namen “der kleine Rebell” weg und die Leute haben die Meinung, dass alle Deutschen lieber radln also Moped fahren. Naja, solange ich mein Radl hab, ist das in Ordnung. Lisas Eltern und ihr Bruder waren für eine Woche bei uns zu Besuch. Ich hab festgestellt, dass mein Französisch immer besser wird, ich konnte sie fast ohne Probleme verstehen, auch wenn sie untereinander geredet haben. Da bin ich schon ein bisserl stolz drauf. Sie haben auch einiges für den Inhalt unseres Kühlschranks beigesteuert, schokolade, camembert (MMMHHHH), schokokekse und so weiter. Dann ist mein Papa gekommen. Ich habs bis zum Flughafen nicht glauben können, dass er wirklich kommt, aber als ich ihn dann gesehen hab… Das Auspacken seines Gepäcks war dank euch wie ein vorgezogenes Weihnachten. Dass so viele an mich gedacht haben und mit Hilfe meines Vaters die Postboten überlistet haben, hat mich sehr gefreut. “Hätte ich Tränen dabei gehabt, ich hätte dieselben geweint” (Karl Valentin) Danke! Auch er hat unseren Kühlschrank um einiges bereichert und man konnte durchaus den kulturellen Unterschied feststellen, bei mir gabs halt Würstl, Gummibärli und schokolade. Wobei Lisa davon mindestens genauso begeistert war, wie von ihrem heissgeliebten Käse. Ich hatte eine wunderschöne Zeit mit meinem Vater. Wir haben gemeinsam Kaya unsicher gemacht, ich hab ihm meine Arbeit und meine Freunde vorgestellt und er hat sich einen Namen hier gemacht…”der Alte, der Sport macht” wobei Alter dabei als Ehrentitel ausgelegt werden darf. Gell Tonton!  Wir haben sowohl die Messe in Kaya (auf Französisch) als auch in Korsimoro (auf Moore) besucht und ich hab das Afrika, dass ich in den Messen hier in Kaya vermisse, in Korsimoro wiedergefunden. Ausserdem habe ich die Gelegenheit genutzt und mir ein paar Tage Urlaub genommen, um mit meinem Vater ein bisschen was von Burkina Faso zu sehen. Wir sind für 4 Tage in den Norden des Landes gefahren, nach Gorum-Gorum, gute 100 Kilometer von der Grenze zu Mali. Mit Buschtaxi 2 Stunden durch die Sahelzone, danach bist du froh, wenn du nicht mehr sitzen musst. Gorum-Gorum war dann unsere Ausgangsposition für einen Tag am südlichen Rand der Sahara. Eine Wanderdüne bedroht den Norden des Landes, verschüttet einen ganze See und ist gleichzeitig natürlich eine Sehenswürdigkeit für Touristen. War richtig beeindruckend und wir sind 2 Stunden über Dünen gewandert, um Ausgrabungen eines Deutschen zu sehen. Der Sand hat ganze Dörfer gut konserviert und vor nicht allzulanger Zeit habt man angefangen sie auszugraben. Neben diesem Ausflug konnten wir uns es, da wir ja am Rand der Wüste waren, natürlich nicht entgehen lassen auch eine Kameltour zu unternehmen. Wobei ich ja immernoch behaupte, dass es Dromedare waren. Wir haben reitend ein paar Dörfer rund um Gourm-Gorum besucht. Das faszinierendste dort ist, dass die verschiedensten Völker in der Gegend wohnen. Allein vom Aussehen oder von der Art der Bauweise ihrer Dörfer kann man sie schon unterscheiden. Die Vielfalt, die auch die Gewänder wiederspiegeln ist beeindruckend. Die Rückfahrt war in einem bis ans Dach vollgepackten Reisebus, 6 Stunden zuerst Piste und dann Strasse hat das übrige getan, dass wir nach den Unternehmungen wenig Lust auf sitzen hatten. Dann wurde schon wieder gepackt und ich hab meinen Vater wieder zum Flughafen gebracht. Die Zeit war total schön, vor allem weil wir die gelegenheit hatten viel zu ratschen und viel gemeinsam zu erleben. Papa hats auch sehr gut gefallen, er hats nicht bereut, mir einen solchen Schock mit seiner Selbsteinladung zu versetzen. Soweit zum Besuch meines Vaters. Während ich mich äusserlich ein bisschen in eine Afrikanerin verwandelt habe, hatte für drei Wochen die gleiche Frisur (“dressé”, also Zöpferl), bin ich auch, was Kälteempfinden anbetrifft schon Burkinabé geworden. Nachdem die Aussentemperatur von 40°Grad auf ca. 35°Grad zurückgegangen ist, hab ich mir doch glatt eine Erkältung eingefangen Am Wochenende war ich dann in einem kleinen Dorf zu einer traditionellen Beerdigung eingeladen. Der Mann ist zwar schon vor 3 Monaten gestorben und beerdigt worden, das Fest war aber erst jetzt. Ich war mit Adissa dort und wurde gleich zu den Frauen mitgenommen, die für alle gekocht haben. Also durft ich mithelfen die Frisch geschlachteten Hühner und Schafe weiterzuverarbeiten, Kiloweise Tomaten und Zwiebeln schneiden und dann natürlich auch gemeinsam mit den Frauen essen. Am Abend war dann eine Art Requiem, dass aber eher einen freudigen Anschein hatte. Das ganze Dorf und die ganze Familie war anwesen, es wurde Musik gemacht, getanzt und Reden gehalten. Die Messe am Tag danach war mit 2 Stunden lang Moore, diejenige, die ich am wenigsten verstanden habe, aber da alles so anders war als bei uns, war ich total fasziniert, während am und zu ein Schnarcherer von den Reihen vor uns zu hören war. Nachdem das Fest am Samstag nachmittag aus war, konnte ich am Abend noch das erste Thanksgiving meines Lebens feiern. Kim hatte dazu 17 Amerikaner, die ihren Freiwilligendienst in Burkina ableisten, eingeladen und da unser Haus am grössten ist, fand das Fest bei uns statt. Es gab traditionelles amerikanisches Essen und es war total lecker. Ein Kulturschock zwischen Freitag und Samstag abend war aber durchaus vorhanden. Mittlerweile ist wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt. Die brauch ich auch, hab ich seit einer Woche noch einen zusätzlichen Job. Einmal die Woche gehe ich mit einem Deutschlehrer in seinen Unterricht und rede mit seinen Schülern. Sie stellen mir auf Deutsch Fragen über mein Leben, das Leben in Deutschland und was ich hier mache. Wir werden das ganze noch ausbauen. Aber zuerst muss ich herausfinden, inwieweit sie mich verstehen können, bevor ich auch etwas anderes mit ihnen mache. Ach noch kurz: Zwei Briefe sind angekommen, oh nein mittlerweile drei (2 aus Deutschland, einer aus chile) also vielleicht klappts doch noch mit der Post. Ein weiterer Testbrief ist unterwegs.* So ich glaub, das wars erst mal wieder Neues aus meinem Leben Ich wünsch allen eine schöne Adventszeit (erste Plätzerl sind schon gemacht…weitere werden bis Weihnachten noch folgen) Machts es gut, wo immer ihr auch seid Ich denk an euch Eure Moni Kurzzusammenfassung meines Rundmails: Mir gehts gut!!!!

30.11.07 13:52, kommentieren