Rundmail 6 (liegt schon eine Woche im Postausgang rum....Internet ging nicht

Hallo zusammen! Ich lebe noch, wie ihr seht, bzw. lesen könnt, auch wenn ich mich lange nicht gemeldet habe. Dafür hab ich jetzt viel zu erzählen, denn in den letzten Wochen ist viel passiert. Neben dem Wunder, dass mein Vater mich besucht hat, ist noch eines passiert. Diesmal in der katholischen Kirche von Kaya. Sie haben nachgegeben. Nach zwei Monaten hab ich es geschafft und mein Radl in Händen gehalten. Auch wenn keiner in der Diozöse verstehen konnte, warum ich das Moped ausschlage und unbedingt ein Radl gestellt haben will. Jetzt hab ich den namen “der kleine Rebell” weg und die Leute haben die Meinung, dass alle Deutschen lieber radln also Moped fahren. Naja, solange ich mein Radl hab, ist das in Ordnung. Lisas Eltern und ihr Bruder waren für eine Woche bei uns zu Besuch. Ich hab festgestellt, dass mein Französisch immer besser wird, ich konnte sie fast ohne Probleme verstehen, auch wenn sie untereinander geredet haben. Da bin ich schon ein bisserl stolz drauf. Sie haben auch einiges für den Inhalt unseres Kühlschranks beigesteuert, schokolade, camembert (MMMHHHH), schokokekse und so weiter. Dann ist mein Papa gekommen. Ich habs bis zum Flughafen nicht glauben können, dass er wirklich kommt, aber als ich ihn dann gesehen hab… Das Auspacken seines Gepäcks war dank euch wie ein vorgezogenes Weihnachten. Dass so viele an mich gedacht haben und mit Hilfe meines Vaters die Postboten überlistet haben, hat mich sehr gefreut. “Hätte ich Tränen dabei gehabt, ich hätte dieselben geweint” (Karl Valentin) Danke! Auch er hat unseren Kühlschrank um einiges bereichert und man konnte durchaus den kulturellen Unterschied feststellen, bei mir gabs halt Würstl, Gummibärli und schokolade. Wobei Lisa davon mindestens genauso begeistert war, wie von ihrem heissgeliebten Käse. Ich hatte eine wunderschöne Zeit mit meinem Vater. Wir haben gemeinsam Kaya unsicher gemacht, ich hab ihm meine Arbeit und meine Freunde vorgestellt und er hat sich einen Namen hier gemacht…”der Alte, der Sport macht” wobei Alter dabei als Ehrentitel ausgelegt werden darf. Gell Tonton!  Wir haben sowohl die Messe in Kaya (auf Französisch) als auch in Korsimoro (auf Moore) besucht und ich hab das Afrika, dass ich in den Messen hier in Kaya vermisse, in Korsimoro wiedergefunden. Ausserdem habe ich die Gelegenheit genutzt und mir ein paar Tage Urlaub genommen, um mit meinem Vater ein bisschen was von Burkina Faso zu sehen. Wir sind für 4 Tage in den Norden des Landes gefahren, nach Gorum-Gorum, gute 100 Kilometer von der Grenze zu Mali. Mit Buschtaxi 2 Stunden durch die Sahelzone, danach bist du froh, wenn du nicht mehr sitzen musst. Gorum-Gorum war dann unsere Ausgangsposition für einen Tag am südlichen Rand der Sahara. Eine Wanderdüne bedroht den Norden des Landes, verschüttet einen ganze See und ist gleichzeitig natürlich eine Sehenswürdigkeit für Touristen. War richtig beeindruckend und wir sind 2 Stunden über Dünen gewandert, um Ausgrabungen eines Deutschen zu sehen. Der Sand hat ganze Dörfer gut konserviert und vor nicht allzulanger Zeit habt man angefangen sie auszugraben. Neben diesem Ausflug konnten wir uns es, da wir ja am Rand der Wüste waren, natürlich nicht entgehen lassen auch eine Kameltour zu unternehmen. Wobei ich ja immernoch behaupte, dass es Dromedare waren. Wir haben reitend ein paar Dörfer rund um Gourm-Gorum besucht. Das faszinierendste dort ist, dass die verschiedensten Völker in der Gegend wohnen. Allein vom Aussehen oder von der Art der Bauweise ihrer Dörfer kann man sie schon unterscheiden. Die Vielfalt, die auch die Gewänder wiederspiegeln ist beeindruckend. Die Rückfahrt war in einem bis ans Dach vollgepackten Reisebus, 6 Stunden zuerst Piste und dann Strasse hat das übrige getan, dass wir nach den Unternehmungen wenig Lust auf sitzen hatten. Dann wurde schon wieder gepackt und ich hab meinen Vater wieder zum Flughafen gebracht. Die Zeit war total schön, vor allem weil wir die gelegenheit hatten viel zu ratschen und viel gemeinsam zu erleben. Papa hats auch sehr gut gefallen, er hats nicht bereut, mir einen solchen Schock mit seiner Selbsteinladung zu versetzen. Soweit zum Besuch meines Vaters. Während ich mich äusserlich ein bisschen in eine Afrikanerin verwandelt habe, hatte für drei Wochen die gleiche Frisur (“dressé”, also Zöpferl), bin ich auch, was Kälteempfinden anbetrifft schon Burkinabé geworden. Nachdem die Aussentemperatur von 40°Grad auf ca. 35°Grad zurückgegangen ist, hab ich mir doch glatt eine Erkältung eingefangen Am Wochenende war ich dann in einem kleinen Dorf zu einer traditionellen Beerdigung eingeladen. Der Mann ist zwar schon vor 3 Monaten gestorben und beerdigt worden, das Fest war aber erst jetzt. Ich war mit Adissa dort und wurde gleich zu den Frauen mitgenommen, die für alle gekocht haben. Also durft ich mithelfen die Frisch geschlachteten Hühner und Schafe weiterzuverarbeiten, Kiloweise Tomaten und Zwiebeln schneiden und dann natürlich auch gemeinsam mit den Frauen essen. Am Abend war dann eine Art Requiem, dass aber eher einen freudigen Anschein hatte. Das ganze Dorf und die ganze Familie war anwesen, es wurde Musik gemacht, getanzt und Reden gehalten. Die Messe am Tag danach war mit 2 Stunden lang Moore, diejenige, die ich am wenigsten verstanden habe, aber da alles so anders war als bei uns, war ich total fasziniert, während am und zu ein Schnarcherer von den Reihen vor uns zu hören war. Nachdem das Fest am Samstag nachmittag aus war, konnte ich am Abend noch das erste Thanksgiving meines Lebens feiern. Kim hatte dazu 17 Amerikaner, die ihren Freiwilligendienst in Burkina ableisten, eingeladen und da unser Haus am grössten ist, fand das Fest bei uns statt. Es gab traditionelles amerikanisches Essen und es war total lecker. Ein Kulturschock zwischen Freitag und Samstag abend war aber durchaus vorhanden. Mittlerweile ist wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt. Die brauch ich auch, hab ich seit einer Woche noch einen zusätzlichen Job. Einmal die Woche gehe ich mit einem Deutschlehrer in seinen Unterricht und rede mit seinen Schülern. Sie stellen mir auf Deutsch Fragen über mein Leben, das Leben in Deutschland und was ich hier mache. Wir werden das ganze noch ausbauen. Aber zuerst muss ich herausfinden, inwieweit sie mich verstehen können, bevor ich auch etwas anderes mit ihnen mache. Ach noch kurz: Zwei Briefe sind angekommen, oh nein mittlerweile drei (2 aus Deutschland, einer aus chile) also vielleicht klappts doch noch mit der Post. Ein weiterer Testbrief ist unterwegs.* So ich glaub, das wars erst mal wieder Neues aus meinem Leben Ich wünsch allen eine schöne Adventszeit (erste Plätzerl sind schon gemacht…weitere werden bis Weihnachten noch folgen) Machts es gut, wo immer ihr auch seid Ich denk an euch Eure Moni Kurzzusammenfassung meines Rundmails: Mir gehts gut!!!!

30.11.07 13:52, kommentieren

Papa gut angekommen

Hallo zusammen!

Mein Papa ist gut angekommen und es gefällt ihm sehr gut hier, sagt er zumindest. Er darf auch einen Tag ins Krankenhaus reinschnuppern und ansonsten machen wir ein bisschen Urlaub in Kaya und nächste Woche fahren wir vielleicht noch ein bisschen weg. Leider kann ich ihm immer noch nicht klarmachen, dass es unwahrscheinlich ist, dass ausgerechnet er in den zwei Wochen wo er hier ist Malaria bekommt, aber vielleicht kapiert er das auch noch.

Ansonsten gehts uns gut und ich geniess die Zeit mit ihm.

Danke an alle, die Briefe etc. für mich mitgegeben haben, vor allem an Mama, die mir die leckersten Sachen mitgeschickt hat, sodass ich sicher nicht vom Fleisch falle.

Liebe Grüsse

Eure Moni

6.11.07 15:16, kommentieren

hab ein Radl

man mag es kaum glauben, aber nachdem ich 7 Wochen hier bin, hab ich tatsächlich mein Radl bekommen, um das ich schon in den ersten Tagen gebeten habe. Als Weisse schickt es sich zwar nicht, aber ich hab mich gegen die Herren der Diozöse durchgesetzt und hab nach langen Diskussionen den Kampf gegen ein Moped gewonnen. Nun hab ich zwar den Spitznamen "der kleine Rebell" weg, aber das war ich wohl schon immer :-)

2.11.07 13:59, kommentieren

5. Rundmail

Hallo zusammen! Langsam wird es Zeit euch mal wieder ein bisschen was zu schreiben, ich hoffe es wird diesmal ein bisschen weniger. Ich würd euch gern ein bisschen was von meiner Arbeit im Waisenhaus erzählen, da mich schon einige danach gefragt haben und meine Gedanken immer um die Kinder dort kreisen. Es ist eigentlich mehr eine Station. Es gibt drei Zimmer, vollstellt mit Bettstadl , dann noch einen Essensraum für die grösseren und eine Küche. Die 20-25 Kinder sind in drei Gruppen, sem Alter nach aufgeteilt. Ich helfe vor allem bei den Kleinen. Wir habe letzte Woche ein Mädchen bekommen, das gerade mal eine Woche alt war. Sie ist noch fast weiss, was sich aber in den nächsten Wochen noch ändern wird. Wenn ich am nachmittag ankomme, wachen die Kinder gerade aus dem Mittagsschlaf auf. Sie werden gewaschen und gewickelt und bekommen dann das Fläschchen. Wobei die babys, die schon ein bisschen die Flasche halten können, selber essen müssen. Die Windeln sind noch normale Tücher und mit zwei kann man ohne Probleme wickeln, dass sie manchmal nicht wirklich dicht sind, ist nicht weiter schlimm. Ich helfe fleissig mit und wenn alle Kinder fertig sind, gehen wir mit ihnen auf die Terasse vor dem Haus. Dort bekommen sie dann Spielsachen (naja viele sind es nicht) oder liegen einfach nur auf Bastteppichen. Dann bin ich gefragt. Ich bin ein willkommenes Spielzeug für die grossen oder ein Tröster für die kleineren. Es arbeiten hier auch noch andere Frauen, die ihre Arbeit aber hauptsächlich darin sehen, dass sie den Kindern was zu essen geben und schaun, dass sie sauber sind und nichts anstellen. Wenn eines weint, wird bloss gesagt, es soll leise sein. Da ich das nicht gewohnt bin, sondern ich aus eigener Erfahrung weiss, wie gut es tut in den Arm genommen zu werden, versuch ich immer noch die kleinen Probleme so zu lösen. Nach einem Nachmittag draussen, gibt es wieder etwas zu essen, die grösseren dürfen selber essen, Maisbrei etc. und dann wird nochmal gewickelt und ab ins Bett. Damit ist mein Tag dann auch beendet. Bzw. dann bin ich auch richtig fertig. Da ich aber immer nicht genug bekommen kann, werde ich in ein paar Wochen, das erste Mal in eine Schule zum Deutschunterricht mitgehen. Ich soll ein bisschen was über Deutschland, das Schulsystem und das Leben in meiner Heimat erzählen. Da die Schule aber grad erst angefangen hat, will die Lehrerin zuerst mal ihren Unterricht machen, bevor ich dann dazu komme. Aber wenn es klappt, soll ich öfters kommen. Während ich also, so vor mich hinarbeite und mir viele Gedanken mache, wie ich hier möglichst viel helfen kann, auch finanziell, hab ich den Schock und gleichzeitig die Überraschung meines Lebens erlebt. Mein Vater schreibt mir so nebenbei, dass er mich Anfang November, also in knappen zwei Wochen hier in Burkina Faso besuchen wird. Und das obwohl er immer dagegen war, dass ich ausgerechnet nach Afrika gehe. Er hat Französisch gelernt und seinen Urlaub geplant, aber niemand von uns Bescheid gesagt. Tja, mich hats fast vom Stuhl gehaun, als ich das gelesen habe, aber ich freu mich natürlich total. Während mein Vater also zwei Wochen in Kaya verbringen wird, ist genau zu dieser Zeit Bischof Kabore in Deutschland unterwegs, wie er mir mitgeteilt hat. Er wird auch Vilsbiburg besuchen. Ich hoffe, dass es ihm in unserer Pfarrei gefällt und dass er mal einen “normal” langen Gottesdienst erleben darf… Hier in Burkina Faso wird seit dem 15. Oktober total viel gefeiert, wobei ich der Meinung bin, ebenso wie viele Burkinbé, dass es eigentlich kein Grund zum Feiern ist. Vor zwanzig Jahren wurde der Präsident Thomas Ankara ermordet und Blaise Kampaore hat sich zum Präsidenten von Burkina gemacht. Er soll am Mord seines Vorgängers nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Nun feiert er sich und seine “Demokratie”. Seine ganze Familie sitzt in den wichtigsten Ämtern und die Korruption soll auch sehr stark verbreitet sein. Da e seine hohe Analphabetenrate gibt und die Leute dazu noch sehr arm sind, kann sich derjenige, der das meiste Geld hat, Blaise Kampaore, die meisten Stimmen kaufen. Das tut er mit Reis, Salz oder einem knappen Euro. Die Demokratie, deren 20 Geburtstag hier hoch gefeiert wird, ist keine echte und das Geld, das für die vielen Feste ausgegeben wird, ware bei den Menschen hier viel besser angelegt. Zudem laufen bei diesen Festen viele Militärs rum, das erinnernt mich immer sehr negative an Chile und meine Facharbeit. Noch kurz eine faszinierende Eigenschaft in Burkina. Die Kirchen hier und die Religion leben hier nebeneinander ohne Probleme. Die Moschee ist um die Ecke von der Bibliothek der Diozöse. Moslems wohnen nehmen der protestantischen Kirche und da diese im Osten von ihnen ist, beten sie auch in ihre Richtung. Morgens um 6 Uhr ruft der Imam zum Gebet, während gleichzeitig die Glocken der Cathedrale läuten. Mir gefällt das, bin ich doch eher auch offen für andere Religionen und meine nicht, dass sich Religionen oder Religionsgemeinschaften gegenseitig ausschliessen. So soweit zu meiner jetztigen Arbeit und meinem Leben hier. Nachdem Kathi in der letzten Woche abgereist ist, und die andere Canadierin Sabrina noch eine knappe Woche bleibt, reduziert sich die Anzahl der Weissen hier ein bisschen. Wir haben aber auch Zuwachs bekommen. Kim, aus den USA, die mit dem Friedenscorps bereits zwei Jahre in einem burkinesischem Dorf verbracht hat und nun noch ein Jahr hier in Kaya bleibt. In einer Woche kommen Lisas Eltern zu Besuch und dann auch mein Papa. Da wird unser Haus dann mal richtig voll, oh ich glaub wir müssen noch ein bisschen Geschirr kaufen, mit drei Gläsern kommen wir da nicht weit. Also es gibt immer was zu tun, langweilig wird es hier nicht. Auch wenn es mal wieder eine längere Diskussion mit den Postbeamten ist, warum wohl ausgerechnet die Briefe an mich nicht ankommen. Meine Internetpräsenz vom 3. November bis zum 17. wird nicht so ausgeprägt sein, also wundert euch nicht, wenn ich nicht gleich antworte, aber vielleicht fahre ich mit meinem Vater ein bisschen durch Burkina Faso. Macht es gut Schöne Herbstferien, für alle die noch Ferien haben Ganz liebe Grüsse aus Kaya Eure Moni  P.S. : An Paty, Tom und Michi : Alles Gute zum Geburtstag ! 

23.10.07 15:07, kommentieren

Burkinesische Rezepte 2

 

E

rst einmal hab schon wieder einen falschen Namen für die “Bladschariknödel” geschrieben. Es heisst Tô und da es nur aus Wasser und Maismehl gemacht wird, kann man das auch in jedem kleinen Dorf machen (München etc.)
Frühstück
Die ultimativen Früstücksrezepte :
Kaffee :
Nescafé kaufen, drei Löffel in ein Glas geben (hier wird nicht aus Tassen getrunken) und mit heissem Wasser aufgiesen, nach belieben zuckern; mit einem kleinen Schneebesen aufschäumen
Variante 1: Zucker und Zitrone
Variante 2: süsse Kondensmilch (dann kein Zucker mehr)
Tee:
Scharztee von Lipton:
Variante 1: Beutel in ein Glas geben, mit Wasser aufgiesen und dann kurz ziehen lassen; mit Zitrone und Zucker verfeinern
Variante 2 : viel süsse Kondesnmilch in ein Glasschälchen geben; Beutel reinhängen und mit heissem Wasser aufgiesen, kurz ziehen lassen
Wichtig: nie Kondensmilch und Zitrone in Kaffee oder Tee geben => flockt und wird ziemlich ecklig
Und dazu :
Sandwich: Zwiebeln, Hackfleich und Tomaten anbraten, abschmecken, dann in ein Viertel Weissbrot geben… fertig, schmeckt wirklich nicht schlecht
Pain au lait : Viertel Weissbrot aufschneiden. süsse Kondensmilch draufgiesen und in kleiner Stücke schneiden ; Kondensmilch darf ruhig ein bisschen rausfliessen, dann ist es die richitge Menge
Omelett: Gemüse (tomaten, Gurken, paprika etc.) kleinschneiden, zu gequirltem Ei geben, salzen, in der Pfanne rausbraten, in der Luft wenden (gar nicht so einfach) mit Weissbrot servieren
Das ist also ein Frühstück, wie man es am Palm Beach bekommt, also das beste Frühstück überhaupt. Meistens läuft es allerdings auf Tee oder Kaffee mit Brot raus.
So das wars wieder mal, vielleicht schickt mir jemand im gegenzug ein paar bayrische Rezepte (knödel etc. , was gescheids halt)
Liebe Grüsse
Eure Moni

15.10.07 14:57, kommentieren

foto

10.10.07 15:53, kommentieren

4. Rundmail

 

Hallo zusammen!
Jetzt ist schon wieder einige Zeit vergangen, dass ich das letzte Mal an euch geschrieben habe. Mein Notizblock mit Stichpunkten, die ich euch ausführlich erzählen will ist schon wieder voll. Also stell euch auf eine lange Mail ein. Ich bin jetzt ein Monat hier, komisch, mir kommt es viel länger vor, so viel hab ich schon erlebt, und dann auch doch wieder nicht so lange. Aber ich fange jetzt mal beim letzten Samstag an, mein erster Auftritt mit dem Chor in der Messe. Bereits am Nachmittag ( 1 ½ Stunden vor der Messe) trifft sich der Chor nochmal zum Proben, es werden sogar Texte ausgeteilt. Aber irgendwie scheint es, als kenne keiner alle Lieder, schliesslich sind es jede Woche andere und dann auch noch pro Messe 15 Lieder. Ungelogen, ich hab es nachgezählt, weil ich es nciht glauben konnte. Das kann man natürlich nicht in einer Woche mit zwei Proben lernen. Also geht es in der Probe vorher noch ziemlich drunter und drüber. Trotzdem bin ich wohl die Einzige, die zweifelt, dass das in der Messe dann klappt. Also jeder Chorleiter bei uns wäre komplett ausgeflippt. Ja, ich bin mir sicher jeder, auch wenn eine Generalprobe schlecht sein soll, aber so schlecht? Naja ihr habt es sicher schon vermutet, meine Befürchtungen haben sich nicht erfüllt, im Gegenteil, alles hat super geklappt. Die Messe war für mich ein bisschen schwierig einzuordnen. Ich habe da vermutlich gehofft eine ähnlich gute Stimmung, wie in Chile vorzufinden, das war aber nicht der Fall, stattdessen war alles sehr gesetzt und für meine Verhältnisse ein bisschen konservativ. Ich bin halt auch keine zwei Lesungen, eine Predigt über 15 Minuten in monotonem Französisch und einem Marienlied zum Schluss gewohnt. Also eine Messe die 1 ½ Stunden dauert und dann versteh ich nicht mal viel. Aber das Danklied und die Ministranten haben alles wieder wettgemacht. Die Ministranten sind kleine Buben, die mit Gaslampen rumrennen (auch wenn wir da im Zeltlager ja nicht so gute Erfahrungen gemacht haben) und beim Danklied haben dann alle angefangen zu tanzen, der Vorsänger und der Chor haben sich gegeseitig hochgepuscht. Das hat richtig Spass gemacht und da hat die Kirche richtig gelebt. Die Kathedrale ist allerdings nicht gerade die schönste Kirche. Mit Ventilatoren und irgendwie passt nichts wirklich zusammen. Die Bilder jedoch zeigen die wahre Kirche. Rund um Jesus sind Schwarze und Weisse , Arme, Reiche, Alte und Kinder versammelt. Das hat mir durchaus gefallen. Auch wenn ich mit der Messe nicht so viel anfangen konnte, werde ich nun meine Samstagabende öfters so verbringen, denn das Singen taugt mir einfach und miene Nachbarin meinte, es ist nicht schlimm, wenn ich nicht alles verstehe und mit Gott auf meine Art und Weise rede, denn Gott versteht alle Sprachen, er erwartet nicht, dass ich auf Französisch zu ihm bete. Da bin ich ja beruhigt. Denn sonst hätte er noch Probleme mich zu verstehen. Wobei, ich bin schon ein bisschen stolz auf mich, denn ich versteh meine Mitmenschen hier immer besser und kann mich mittlerweile auch schon gut verständigen.
So nun zu meiner Arbeit. In den letzten Mails, hab ich ja beklagt, dass ich nicht so viel zu tun habe, die Liste ist nun auch bald fertig. Ich dachte zuerst, das sei nicht so schlimm, irgendwie hat es mich aber trotzdem die ganze Zeit belastet, dass ich nichts wirklich sinnvolles mache. Wieder mal nach einem Gespräch und einer Mail meiner Mutter hab ich beschlossen dem Problem ins Auge zu schauen und mit meinem Chef darüber zu reden. Ich hab also versucht, ihm klarzumachen, dass das nicht die soziale Arbeit ist, die ich mir für das ganze Jahr vorgestellt habe und dass ich lieber mit Menschen als mit dem Computer arbeite. Er meinte, ja wir würden was für mich finden etc. Da war ich ziemlich beruhigt. Dann hat mir einer meiner beiden Mitarbeiter erzählt, dass er ihnen geagt hat, dass sie nur noch abwechselnd zur Arbeit kommen können, weil ich mehr arbeiten will und dass ich alle Arbeiten übernehmen werde. Sie würden also beide nur noch die Hâlfte arbeiten und dementsprechend auch nur noch die Hälfte von ihrem ohnehin geringen Gehalt verdienen. So genau das wollte ich nicht. Ich würde den beiden hier die Arbeit wegnehmen. Ich hatte die genze Zeit schon befürchtet, dass sie mich als das sehen und nun waren sie wirklich nicht erbaut darüber. Ich hab also versucht ihnen zu erklären, dass das nicht meine Absicht ist und ich mir auch andere Arbeiten suchen will. Das hab ich auch getan, ich kann in einem Waisenhaus mitarbeiten und mit den Kindern (6 Monate bis 2 Jahre) spielen und einfach für sie dasein. Es sind viele Kinder, aber nur wenig Personal und da hab ich das Gefühl auch was sinnvolles zu tun. Jetzt muss ich das nur noch mit meinem Chef abklären, wie oft ich da hin gehen werde und wie oft ich in der Bibliothek bin. Ich hoffe das aber morgen abklären zu können. Ausserdem würde ich gerne die Deutsch- und Englischkurse anbieten und vielleicht ein bisschen in der Schule mitarbeiten. Hört sich im Moment ein bisschen viel an, aber ich muss erst mal schauen, was dann alles klappt und wie ich es vereinbaren kann. Ich bin also vorerst mal nur noch vormittags in der Bibliothek erreichbar, wenn alles so klappt, wie ich möchte ( Handynummer: 00226 76817078, lieber öfter versuchen, ich geh nicht immer dran). Ob alles klappt, werd ich euch dann aber noch mitteilen. Ich hatte wegen meiner Arbeit einen, naja sagen wir kleinen Durchhänger, hab aber gemerkt, wieviele Freunde ich hier schon gefunden haben, die mich getröstet und mir geholfen haben. ( News: Ich werde nun am Nachmittag im Waisenhaus arbeiten, vormittags bin ich in der Bibliothek)
Nach dem Arbeitsproblem  hab ich mir dann einen Nachmittag freigenommen und bin nach Ouaga, 2 ½ Stunden Busfahrt, gefahren. Dort war ich zum 3. Oktober bei Andrea Reikart, einer Deutschen, eingeladen. Wir waren Abends in der Botschaft zu Gast. An Georg, es gibt keine Fotos vom Essen, da erstens keine Tafel vorhanden war und zweitens mein Magen an dem Tag verrückt gespielt hat, sodass ich nichts von Essen sehen wollte. Ich hab dort einige Studenten und einen Professor der Germanistik kennengelernt. Ich hätte sofort eine Stelle als Deutschlehrerin an einer Schule bekommen, nur leider wohne ich ja nicht in Ouaga und von Kaya ist es halt ein bisschen weit. Ich hab auch eine deutsche FSJlerin, Mirjam, kennengelernt, ausserdem noch ein paar Zivis und Studenten, di aus Deutschland gekommen sind um hier afrikanische Geschichte an Ort und Stelle zu studieren. @ Mayr Mike: Ein Zivi hat nicht nur fast genauso wie du ausgeschaut, er hat auch fast so viel wie du vertragen. Er meinte, wenn der deutsche Steuerzahler schon die ganzen Alkoholika zahlt, muss man das auch ausnutzen... Es war auf jeden Fall sehr lusitg und ich hab viele Leute kennengelernt, denen es zum Teil ähnlich wie mir geht und die ich jederzeit in Ouaga besuchen kann. In einem Hotel in Ouaga zu übernachten wird in Zukunft also nicht mehr nötig sein.
Uebringens Kathi geht es wieder besser. Sie läuft schon wieder jeden Tag in der früh ihre Runde (Nasara, qui fait du sport).
So mal noch was zu meinem Leben hier: Ich werde versuchen ein paar Bilder auf meinen Blog zu stellen, sobald ich etwas Zeit habe und das Internet gut funktioniert.
Wir haben hier, ausser den üblichen Viecherzeug und den Termiten im Haus auch noch andere „Haustiere“, bzw. Bevölkern sie die Strassen und die Dächer. Die Geier. Ein tolles Bild, wenn man gerade nicht so gut drauf ist und man sieht sich einem Aasfresser gegenüber, der einen die ganze Zeit beobachtet. In Burkina ist es verboten diese Geier zu töten, das einzige Gesetz an das sich wirklich alle Burkinabe halten.
Das Strassenbild ist von vielen Mopeds und Fahrrädern gekennzeichnet. Manchmal kommt es mir so vor, als wär ich die enizige, die hier zu Fuss gehe, ich warte immer noch auf mein Radl. Ab und zu ist auch ein Auto oder ein Lastwagen zu sehen und vor allem durch die Huperei zu hören. Die Busse haben hier Vorfahrt, sie kommen ja auch nur alle Stunde. Man hat im Strassenverkehr die meisten Rechte, wenn man das grösste Fahrzeug hat. Also als Fussgänger muss man schaun, dass man überlebt. Ausserdem kann man durchaus auf der falschen Strassenseite fahren, solange man keinen anderen zusammenfährt ist das nicht weiter schlimm. Während in Vilsbiburg riesen Brücken anstatt Kreisverkehre gebaut werden, gibt es hier einige Kreisverkehre mit einer total seltsamne Vorfahrtsregelung. Wer im Kreisel ist muss warten. Das heisst so ein Kreisel staut in sich und davor, also wenn das bei uns wäre, da würde wahrscheinlich mitten im Ort eine Brücke gebaut werden, weil ja der Verkehr aufgehalten wird.  
Ach ja, bevor ich aufhöre noch kurz was zum Essen, weil ich schon viele Anfragen bekommen habe, von was ich mich hier so ernähre. Also nicht so anders als ihr. Nudeln, Reis, Couscous mit Gemüse, viel Weissbrot... Ich hab die Marillenknödel ausprobiert, naja vermutlich haben sie komplett anders als in Pasing geschmeckt, ein bisschen auseinandergefallen sind sie auch, aber mir und meinen Freunden haben die Melonenknödel geschmeckt. Ich hoffe trotzdem, dass ich mal noch in den Genuss komme echte Pasinger Zwetschen- und echte Pasinger Marillenknödel zu essen (Zacharias und Lena!!!!!)
Gestern hab ich von Kathi, die nicht mehr lange da ist, ein Kochbuch für Burkina bekommen. Es ist auf englisch und für den Friedenscorps geschrieben, dem ihr Freund hier angehörte. Also werde ich nun ein bisschen burkinesische Rezepte ausprobieren. Ausserdem beinhaltet es Rezepte, die man mit den hier vorhandenen Zutaten machen kann, die aber nicht unbeding afrikanisch sind. Praktische Hinweise, wie man ohne Ofen Kuchen backen kann, stehen auch drin, nach dem ersten Versuch werdet ihr davon hören. Vom Frühstück möchte ich euch noch erzählen. Die ersten paar Tage sind wir zum Palm-Beach gegangen (ab und zu machen wir, bzw. Ich das immer noch) Es ist ein Kiosk, an dem man wie an einer Bar sitzt und frühstückt. Das ist ein Erlebnis. Nicht nur, weil man viele Leute kennenlernt, sondern weil man bei Reggae-Musik (zeltlager....) Moumini zusieht, wie er das Frühstück herrichtet. Es gibt Nescafé oder Tee (beides mit süsser Kondensmilch, oder mit Zitrone, ja Kaffee mit Zitrone) und dazu Omlette mit Gemüse (ist mir aber zu teuer), Sandwich (Fleisch, Zwiebel und Tomaten in Wiessbrot) oder aber was ganz besonderes. Brot mit Milch (Weissbrot mit süsser Kondesmilch betrichen; mmmmmhhhhhh) Also verhungern tu ich hier wirklich nicht; und zur Not gibts immer noch Maggi, das heisst hier zwar Maggie, aber ist fast das gleiche wie bei uns. Zumindest was die Würzung angeht. Brühwürfel und Suppenwürze @Papa, du müsstest hier also nicht auf dein geliebtes Maggi verzichten J.
So mein Notizblock ist noch nicht ganz abgearbeitet, aber ich will mir ja auch nach was für die nächsten rundmails was aufheben. Nur noch so viel: Wir haben am wochenende 60 Kilometer von Ziniaré bis Kaya mit dem Moped zurückgelegt. Für unsere Hintern nicht so ganz förderlich, bzw. nach einiger Zeit durchaus schmerzhaft. Wir waren in Ziniaré in einem Tierpark und haben uns Steinskulpturen angeschaut. Ansonsten war das Wochenende eher von Arbeit gekennzeichnet: Hab zwei Stunden lang mit der Hand meine Wäsche gewaschen. Das macht wahnsinnigen Spass, vor allem weil dieser rote Staub nur sehr schwer aus hellen Klamotten rauszubekommen ist. Nächste Woche werden wir 4 Nasaras nochmal zusammen wegfahren, nach Dori (250 km entfernt), unser letztes gemeinsames Wochenende, denn Sabrina und Kathi fahren beide Ende Oktober wieder heim. Dann bleiben nur noch Lisa und ich übrig.
So, ich hab euch ja gewarnt, dass dies ein Monstermail wird, aber es ist noch länger geworden, als ich eigentlich wollte. Dafür werde ich jetzt dann auch nicht mehr jede Woche ein Rundmail losschicken. Das ist dann ein kleiner Ausgleich.
Also Kurzzusammenfassung: Mir gehts gut, ich habe zusätzliche Arbeit und sitze nicht nur im Büro der Bibliothek und freue mich auf Mails von euch.

Verzeiht bitte, wenn ich mich nur bei denen persönlich melde, die mir schreiben, beantworten ist einfacher, als jedem von euch einzeln zu schreiben. Ich bemüh mich aber immer schnell zurückzuschreiben. Wenn ich jemanden vergesse, excusez –moi.

A bientôt

Eure Moni

 

P.S. : herzliche Geburtstagsgrüsse an Max Molitor !!!

10.10.07 15:31, kommentieren